In den ausgewiesenen Flächen FD 10 und HEF 55 haben zahlreiche Tierarten (Fledermäuse, Vögel etc.) ihren Lebensraum, der durch bauliche Maßnahmen und dem Betreiben von Windkraftanlagen nachhaltig gestört wird. Es wird eindeutig gegen § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG verstoßen, der die Tötung geschützter Tierarten verbietet.

Aus diesem Grund muss ein Windkraftprojektierer, im Falle des uns betreffenden Gebiets HEF 55 das Unternehmen Juwi, bei der Genehmigungsbehörde (RP Kassel) ein avifaunistisches Gutachten vorweisen. In solch einem Gutachten muss nachgewiesen werden, dass durch den Bau der Windkraftanlagen keine bedrohten Tierarten gefährdet werden. Da Juwi bereits seit langem einen Windpark im Gebiet HEF 55 errichten will, liegt bereits ein avifaunistisches Gutachten vor. Dieses Gutachten weist nach der Prüfung eines Sachverständigen (Michael Schanze) erhebliche Mängel auf. Daher haben wir von Herrn Schanze bereits ein Gegengutachten erstellen lassen. Dieses Gegengutachten können Sie hier finden.

Dazu muss gesagt werden, dass im Falle eines Baus Juwi das Guttachten auffrischen muss, da ein Gutachten nur eine begrenzte Zeit Gültigkeit besitzt. Uns ist es ein Rätsel, wie trotz der erheblichen naturschutzrechlichen Bedenken ein für Juwi positives Gutachten erstellt werden soll. Im Falle eines Bauantrages muss das Gutachten veröffentlicht werden. Wir sind gespannt…

Viele Tierarten nutzen alte Bäume als Lebensraum und zur Nahrungssuche. Im Gebiet FD 10 befindet sich ein beträchtlicher Teil an Altholzbeständen, der durch den Bau von Windenergieanlagen teilweise vernichtet wird.

Vögel Karte

Karte mit naturgeschützten Tierarten im Gebiet FD 10

Rotmilan

Rotmilan
Im Leitfaden (Dr. Klaus Richarz, Staatliche Vogelschutzwarte, 2013) wird ausgeführt, dass Rotmilane Windkraftanlagen nicht als Gefahr wahrnehmen. Vorbeiflüge in geringer Entfernung sind die Regel und Windparks werden von Rotmilanen regelmäßig frequentiert.
Rotmilane suchen Windkraftanlagen gezielt auf, da andere Kollisionsopfer unter Windkraftanlagen als Beute genutzt werden (Aasfresser). Der Leitfaden schreibt einen Mindestabstand (Helgoländer Papier 2012) von 1.500 m vor.
Rotmilane gehören zu den häufigsten Opfern der Windkraftanlagen.

Untersuchungen zeigen, dass der Rotmilan das häufigste Kollisionsopfer an WEA ist (Dürr 2008). Der NABU-Kreisverband Vogelsberg sorgt sich um den Fortbestand des Vogelschutzgebiets. Der ungehemmte Ausbau der Windenergieanlagen gefährdet den Schwarzstorch und den Rotmilan, teilt Kreisvorsitzender Karl-Heinz Zobich in einer Pressemitteilung mit.

Das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und die staatliche Vogelschutzwarte beschreibt in “Information über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel“ die Beobachtung, dass Windkraftanlagen in kurzer Zeit auf Rang 1 der Verlustursachen beim Rotmilan gestiegen sind, dies ist vor dem Hintergrund eines ohnehin sehr hohen Anteils anthropogener Verlustursachen (LANGGEMACH et al. 2010) als sehr negativ zu werten.

Mopsfledermaus
Im Fledermaus-Gutachten (Institut für Tierökologie und Naturbildung, 2012) wird unter dem Kapitel Konfliktrisiko ausgeführt, dass aufgrund des Flugverhaltens im offenen Luftraum bis Baumkronenniveau und darüber hinaus für diese Fledermausart eine Kollisionsgefährdung anzunehmen ist. Gemäß des schlechten Erhaltungszustandes und ihrer Seltenheit in Hessen werden um die Wochenstubenkolonien Tabuzonen empfohlen (Radius von 5 km). Das Konfliktpotential für direkte Wochenstubenverluste ist im Wald gegeben.
Im Leitfaden Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, HMUELV / HMWVL Windkraft und Naturschutz in Hessen wird ausgeführt, dass sich die Mopsfledermaus in Hessen in einem sehr ungünstigen Erhaltungszustand befindet.
Es sind nur wenige Wochenstubenkolonien nachgewiesen, u.a. bei Neukirchen/Stoppelsberg.
Daher wird ein Mindestabstand von 5 km zu den nachgewiesenen Wochenstubenquartieren und Kolonien der Arten mit ungünstigem Erhaltungszustand, d.h. Mopsfledermaus empfohlen.
Dieser Radius wird jedoch für das Gebiet HEF 55 nicht eingehalten!

Kranichzug

Der Kranichzug erstreckt sich (RP Kassel, Artenschutz, Hr. Dr. Tamm und Staatl. Vogelschutzwarte Hr. Richarz) über einen breiten Korridor mit einzelnen Verdichtungsgebieten. Ein Kranichzug in geringer Höhe ist bei Schlechtwetterlagen möglich. Da die Kraniche über die Gebiete Hef 55 und FD 10 ziehen, stellen Windkraftanlagen dort eine große Gefahr für die Kraniche

Baumfalken

Brutplätze von Baumfalken konnten westlich der BAB in dem an das Vorranggebiet südlich angrenzenden kleinflächigen Wald in einer Entfernung größer als 1.000 m nachgewiesen werden. Baumfalken reagieren sehr empfindlich auf Störungen. Hier ist eine Aufgabe des Brutplatzes als wahrscheinlich anzunehmen. (ÖkoTech)

Altholzbestand

Im Flächensteckbrief FD 10 wird aufgeführt, dass das Gebiet über einen Buchenaltholzbestand verfügt.
Ein solcher Wald ist nach Auffassung von Naturschützern unbedingt zu erhalten und zu schützen. Greenpeace fordert einen unbedingten Schutz der Buchenwälder.
Buchenwälder schützen das Klima, sind die Heimat vieler Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und Erholungsorte für uns Menschen. Genau diese Wälder sind bedroht. Der Buchenholzbestand wird intensiv genutzt, was zu einer Vernichtung dieser Lebensräume führt.
Hier wird von Greenpeace sogar ein Einschlagstopp gefordert.
Der weltweit gestiegene Rohstoff- und Energiebedarf führt dazu, dass selbst Buchenholz als Brennholz in Kraftwerken verfeuert wird. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat sich der Holzeinschlag in Deutschland verdoppelt. Dieser Raubbau in den alten Buchenwäldern vernichtet unsere wirksamsten natürlichen Klimaschützer. Denn Laubwälder mit alten, dicken Bäumen speichern besonders große Mengen des schädlichen Kohlendioxids (CO2). Noch 1990 konnten die Wälder in Deutschland 80 Mio. Tonnen CO2 aufnehmen. Gegenwärtig schätzt man zwei Mio. Tonnen.
Buchenwälder machen heute nur noch knapp fünf Prozent der Landfläche Deutschlands aus – und sogar diese sind besonders durch den Bau von Winparks in Wäldern in Gefahr.

Links:

Spiegel TV: Das Märchen von der sauberen Windkraft

Homepage vom Komitee gegen Vogelmord e.V.

Homepage der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE)